Unterricht

(Beinahe) Tränen im Ballettsaal

Auch Rückschläge muss es mal geben. Wobei es eigentlich kein Rückschlag war, es kam mir nur so vor. Aber der Reihe nach…

Freitag ging es wieder zum Unterricht. Die Übungen waren mit Variationen wieder die gleichen wie in den vergangenen Wochen. Übrigens finde ich genau das an dem Unterricht in dieser Ballettschule besser, als im atelier de la danse: die Übungen variieren – wenn auch nur minimal – von Woche zu Woche, so dass es keine gefühlten Durststrecken gibt, weil es einfach nicht voran und nichts Neues gibt. Ständige Wiederholungen haben zwar den Vorteil, dass man alle Bewegungen bis zur Perfektion wieder und wieder ausführen und dadurch wunderbar an seiner Technik arbeiten kann, aber wochenlang die gleiche Musik und die gleichen Abfolgen, ist irgendwann sehr ermüdend.

Je mehr ich versuchte, mich auf alles zu konzentrieren, desto schlimmer wurde es.

Zurück zum Hier und Jetzt. Gegen Ende der Übungen an der Stange war ich langsam echt frustriert. Die Balance am Ende jeder Folge wollten einfach nicht klappen. Zumal meine Ballettlehrerin mir ständig neue Tipps gab und mich erneut korrigierte, damit ich Halt fand. Ich kralle meine Zehen in den Boden, soll sie aber lang machen und diese Fläche dann auch wirklich als Standfläche nutzen. Großen Zeh fest in den Boden drücken. Knie durchdrücken. Po fest. Rücken fest. Obere Bauchmuskulatur noch mehr verkürzen. Oberkörper und damit Schwerpunkt minimal nach vorne, damit ich nicht nach hinten kippe (das Problem hab ich nämlich auch bei Drehungen). Aber dann kippe ich doch nach vorne! Dafür soll ich ja die Zehen als Standfläche nutzen. Und richtig hoch auf halbe Spitze. Und dann bitte von der Stange lösen und halten. Machen die anderen in der Gruppe ja auch.

Es ging einfach nicht. Je mehr ich versuchte, mich auf alles zu konzentrieren, desto schlimmer wurde es. Vor allem, wenn rechts das Standbein ist, bin ich nur am Wackeln. Ich war so sauer, dass mir vor Wut die Tränen in die Augen schossen. Das bemerkte offenbar auch meine Ballettlehrerin. Sie sagte, ich solle mich nicht unter Druck setzen, die anderen in der Gruppe üben das halt schon mehrere Monate, wenn nicht sogar Jahre. Für den Moment ließ sie mich dann auch erstmal in Ruhe, so dass ich mich wieder sammeln konnte. Dafür bin ich sehr dankbar, sonst wären die Tränen wirklich noch geflossen. So konnte ich sie gerade noch wegblinzeln.

Es lag lediglich an mir und meinem zu hohen Anspruch an mich selbst.

Der Rest des Unterrichts war wie sonst auch: Spitzentraining, Stretching, Übungen im freien Raum bei denen ich wieder Spaß mit der Balance hatte. Nicht.

Nach dem Unterricht ließ ich mir Zeit beim Umziehen, denn ich wollte, sobald alle weg waren, noch kurz alleine mit meiner Ballettlehrerin sprechen. Ich wollte nicht, dass sie dachte, sie hätte mich zum Weinen gebracht. Nein, es lag lediglich an mir und meinem zu hohen Anspruch an mich selbst. Ich setze mich gerade beim Ballett viel zu sehr unter Druck, eben weil ich so lange als Kind getanzt habe und ja auch einige Jahre zuvor an einer anderen Ballettschule.

Ich nahm mir an diesem Abend fest vor, wieder mehr an meiner Balance und Fußmuskulatur zu arbeiten. Ich muss besser werden, andernfalls habe ich das Gefühl, es gar nicht zu verdienen, in Spitzenschuhen stehen zu dürfen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s