Unterricht

Die Wochen nach den Ferien

Mittlerweile bin ich zurück an meiner Stammballettschule. Ich habe mir seither die Frage gestellt, was sich verändert hat: an meiner Einstellung, an meiner Leistung. Ist meine derzeitige Ballettschule noch die Richtige für mich?

Noch einmal alles auf Anfang

Meine eigentliche Ballettschule pausierte während der Sommerferien. Sechs Wochen lang kein Ballett? Ohne mich, dachte ich mir, weshalb ich mir zur Überbrückung eine andere suchte. Fündig wurde ich mit dem Center of Dance in der Kulturbrauerei. Hier nahm ich Unterricht über 90min im Niveau fortgeschrittene Anfänger / Mittelstufe sowie anschließend 30min reines Spitzentraining für Anfänger bei Cristina Voce.

Beides hat mir sehr gut gefallen. Cristina ist sehr professionell und ebenso kam mir das Training vor – wie in einer richtigen Ballet Company: in einem großen, hellen Saal, viele Leute mit hohem Ehrgeiz und viel Disziplin, gutes, schweißtreibendes Niveau (was nicht nur an den 30°C lag) und vor allem wussten alle, was gemeint ist, wenn die Ballettlehrerin Übungsanweisungen gibt. Es wurde nicht lang erklärt, dass vom Spiel- kurzerhand auf das Standbein gewechselt wird und wie Frappés etc. ausgeführt werden müssen. Die Ballettschüler wussten es einfach. Schon allein dadurch schafften wir in 90min Trainingszeit unheimlich viel: die klassischen Übungen an der Stange, Stretching, weiter an der Stange mit Adagio und Grand Battement, dann kurze Variationen frei im Saal, Pirouetten und Sprünge durch die Raumdiagonale sowie Sprünge am Platz.

Das anschließende Spitzentraining hatte es jedes Mal in sich, da ich bisher maximal 10min am Stück in Spitzenschuhe trainiert habe. Nun volle 30min. Aber auch das ging wunderbar. Verschiedene Übungen in verschiedenen Tempi, alle an der Stange, also wirklich auf Anfängerniveau. Für mich war das super, da ich wirklich das Gefühl hatte, zum ersten Mal auch wirklich Fortschritte zu machen und mich langsam auf Spitze „heimisch“ zu fühlen. Seitdem weiß ich auch, dass man in seinen Füßen Muskelkater bekommen kann.

Nach den ersten paar Trainingseinheiten erkannte ich dann auch ein paar Gesichter wieder und man kam ins Gespräch. Auch das machte es für mich nicht unbedingt leichter, die Gruppe und das Training dort wieder zu verlassen, um an meiner Stammballettschule zurückzukehren.

Die Frage der Fragen

Also überlegte ich, warum ich überhaupt zurückkehren sollte. Ich erstellte klassisch eine Pro-&-Contra-Liste für beide Ballettschulen und was soll ich sagen? Trotzdem der Ballettunterricht von Sylvia herrlich persönlich ist und mich sehr weit gebracht hat, war die Liste der Vorteile für mich in der Spalte vom Center of Dance einfach länger. So entschied ich, den Vertrag in der Tanz- und Ballettschule Pankow zu kündigen. Noch läuft der Vertrag und ich werde den Unterricht bis Ende Oktober weiterhin besuchen, freue mich aber bereits auf das Training danach wieder bei Cristina.

Wie fühlt es sich an?

Zurück zu sein in der bisherigen Ballettschule, ist merkwürdig. Einerseits war die Stimmung von Sylvia nach der Kündigung ein wenig frostig, hatte ich das Gefühl (das hat sich mittlerweile wieder gelegt, worüber ich sehr froh bin). Andererseits habe ich mich stark weiterentwickelt. Vielleicht nicht unbedingt in Bezug auf meine Leistungen – trotz des guten Unterrichts in der Zwischenzeit und dem Intensiv-Workshop in Hamburg – aber meine innere Haltung hat sich geändert. Mich nervt einfach das Gequatsche und Gegackere zwischen den Übungen, wenn vielleicht etwas nicht so gut gelingt. Klar, mache ich ab und an auch mal mit, aber meistens stehe ich bereit an der Stange und warte, dass endlich die Musik abgespielt wird. Dafür – so doof es klingt – bezahle ich schließlich. Ich will trainieren und etwas lernen, und das bitte hintereinander weg. Quatschen können wir gerne vorher und nach dem Unterricht.

Hinzu kommt, dass wir zwischendurch auch mal gar nicht auf Spitze trainieren. Die Übungen sind ja sowieso schon nur kurz gehalten (ca. 5 bis 10min pro Unterrichtseinheit). Wenn die dann auch noch wegfallen, komme ich wirklich gar nicht mehr voran.

Startschuss im November

Ich sehne mich bereits nach dem Unterricht, der ab November auf mich zu kommt. Zumal im Center of Dance auch Repertoire-Training angeboten wird. Das ist für mich eine völlig neue Erfahrung. Es ist wohl für mein Niveau geeignet und kann entsprechend auch ohne Spitze absolviert werden. Angeboten werden Coppélia und Giselle. Letzteres werde ich mir im Übrigen Anfang Oktober in der Deutschen Staatsoper ansehen – mit der großartigen Iana Salenko in der Hauptrolle.

Und – noch viel besser – ich habe mir auch bereits Tickets für La Bayadère gebucht. Mit – ich kann es selbst kaum glauben, dass ich sie auf der Bühne erleben darf – Polina Semionova in der Rolle der Nikita! Ich freue mich so, so sehr auf beide Vorstellungen, zumal ich La Bayadère noch nie gesehen habe.

Ich bin voller Vorfeude auf alles, was da gerade kommen mag.
Auf geht’s in den Herbst 2019!

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