Unterricht

Summer intensive in Hamburg

Wie bereits angekündigt, nahm ich Ende Juli an den Sommertanztagen von Gina Workshops in Hamburg teil. Dass ich jetzt erst darüber berichte, lässt sich fast nicht entschuldigen – außer mit der Kita-Suche für meine Tochter; und jeder, der Kinder hat, weiß, wie schwierig und auch zeitaufwändig das heutzutage ist. Aber wir haben nun ein Plätzchen und die Eingewöhnung läuft auch schon. Trotzdem bleibt ab und an ein bisschen Zeit für mich – zum Beispiel für Ballett. Nun aber erstmal zu den Tanztagen.

In der Lola Rogge-Schule fast im Zentrum von Hamburg fand das Ganze statt, mit fünf internationalen Dozenten. Ich nahm an dreien der 15 Kurse teil:

  • 9.30 Uhr bis 11.00 Uhr – Floor Barre/Placement mit Daria Sukhorukova
  • 13.15 Uhr bis 14:30 Uhr – Technical Work for Ballet Niveau 2 mit Cyril Pierre
  • 15.00 Uhr bis 16.30 Uhr – Classical Ballet Niveau 2 wieder mit Daria Sukhorukova

Es geht los

Ich war hochmotiviert, hatte aber natürlich keine Ahnung, was genau auf mich zukommt. Ich war unsicher, ob ich die Kraftübungen im ersten Kurs durchhalten würde; ich hatte ein bisschen Angst davor, dass beim Technical Work meine ganzen Schwächen und Defizite aufgezeigt werden – dazu noch vor lauter Fremden, die schon seit zwei Tagen gemeinsam trainieren; und würde das Niveau beim Classical Ballet auch wirklich meinem Niveau entsprechen?

Ja, tat ich; ja wurden sie, aber es war nicht schlimm; und ja war es – na ja bis auf die Variation am Ende, die mich doch ein wenig überfordert hat. Aber der Reihe nach.

Floor Barre & Placement

Der Floor Barre-Kurs war anstrengend, aber machbar. Es gab eine Menge neuen Input – zumal ich noch keinerlei Erfahrungen mit einem solchen Kurs gemacht hatte und die Bewegungen am Boden für mich neu waren. Ein paar der Übungen habe ich mir im Nachhinein auch mit nach Hause genommen, weil sie herrlich anstrengend waren. Nach den Bodenübungen folgten ein ausgiebiges Stretching und Balance-Übungen. Wie von mir bereits erwartet, vielen mir diese recht schwer, aber es wurde im Laufe der Tage besser. Zu guter Letzt wurden einzelne Bewegungsabläufe für Drehungen durch die Länge des Raumes geübt – schnell den Kopf herumnehmen und einen festen Punkt fixieren, mit und gegen den Uhrzeigersinn, Arme korrekt mitnehmen. Das ging wiederum ganz gut.

Technical Work für Ballet – Niveau 2

Der Kurs mit Cyril Pierre ging „nur“ 75min. Dennoch war er mindestens genauso anstrengend wie ein 90min-Kurs. Die meisten Übungen wurden an der Stange absolviert. Im Grunde waren es die Übungen, die jeder aus dem normalen Ballettunterricht zu Hause kennt, allerdings wurde sehr viel Wert auf Korrekturen der einzelnen Eleven gelegt. Da ich an Tag 1 eine der wenigen Neuen im Kurs war, wurde ich natürlich auf entsprechend viele Fehler aufmerksam gemacht, die die Übrigen schon in den ersten zwei Tagen behoben hatten. Meine größten Fehler: Bananenfüße und Bauch raus. Ständig wurde ich daran erinnert, doch bitte meinen Rippenbogen zu schließen und meine Fersen nach vorne zu schieben. Ich habe also ganz herrlich mit Anfängerfehlern losgelegt.

An Tag 2 lief es schon besser, wieder wurde ich (natürlich ebenso wie andere) viel korrigiert, aber die Übungen waren mir vertrauter und ich wusste, worauf ich mich besser konzentrieren muss. Ich war zufrieden mit mir.

Der Kurs war sehr anstrengend und nicht nur aufgrund der recht hohen Temperaturen draußen und im Saal, lief der Schweiß quasi in Strömen. Aber da mir das nicht reichte, besuchte ich schließlich noch Kurs 3:

Classical Ballet – Niveau 2

Wieder bei Daria ging es zum klassischen Ballettunterricht. Übungen an der Stange, Stretching, Drehungen – auch durch die Raumdiagonale, Sprünge und kurze Variationen am Ende des Kurses. Das, was ich vor allem mitgenommen habe, ist Disziplin. Die Musik wurde nicht eher eingeschaltet, ehe nicht alle im Raum bereitstanden – samt korrekter Arm- und Kopfhaltung. Sehr gut fand ich auch, dass Daria ihre Augen praktisch überall hatte – und der Saal war wirklich groß – denn sie konnte wirklich viele Elevinnen einzeln korrigieren.

Des Weiteren legt Daria sehr viel Wert auf saubere Arm- und Kopfbewegungen, nicht nur während der Variationen, sondern auch schon während der Übungen. Im Grunde sollten wir bereits an der Stange beginnen zu tanzen und nicht erst im freien Raum. So machte es mir auch wirklich Spaß, denn ich fühlte mich wie eine Balletttänzerin und konnte mich so richtig in die Musik und Bewegungen hineinfühlen.

Hier ein paar Eindrücke vom Kurs:

I messed it all up!

Der letztes Tag begann wirklich gut. Im Floor Barre-Kurs durfte ich eine der Übungen einmal vorzeigen, da ich sie sehr vorbildlich absolvierte – und jeder, der Ballettunterricht nimmt, weiß, dass das ein riesiges Lob seitens des Ballettlehrers ist. Auch nach dem Unterricht, als ich Daria noch einmal vor der Mittagspause begegnete, beglückwünschte sie mich zu meiner heutigen Leistung mit den Worten „Good work, green lady! You gave 100% and you did a really good job! Sehr, sehr gut!“ (Vielleicht eine kurze Erläuterung: ich trug im Kurs einen dunkelgrünen Body.) Ich bin sicher, dass ich rot anlief und fühlte mich sehr geehrt, dass Daria mich zum einen wiedererkannte – im Kurs waren immerhin etwas mehr als 20 Leute – und sie mich zum anderen so hoch lobte. Beflügelt ging ich in die Mittagspause und danach in den zweiten Kurs zu Cyril.

Hier kam jedoch die Ernüchterung: Ich machte zum Teil wieder die Fehler von Tag 1, bekam aufgrund von Muskelkater meine Beine nicht mehr hoch und zu allem Überfluss habe ich die Übungen komplett verhauen, obwohl mir diese schon weitgehend vertraut sein sollten. Je länger der Kurs andauerte, desto frustrierter wurde ich und desto schlimmer wurde es natürlich. Nach Ende des Kurses stürmte ich mehr und weniger nach draußen, um erstmal tief durchzuatmen. Wieder einmal stand mir mein eigener Perfektionismus im Weg. Als ich mich beruhigt hatte, ging ich zu Cyril, um mich zu entschuldigen. Ich hatte mich nicht richtig verabschiedet und wollte ihm erklären, dass es keinesfalls an ihm lag – ich war einfach überhaupt nicht zufrieden mit mir. Ich mochte ihn als Dozenten sehr gerne, schon deshalb wollte ich mich verabschieden und gleich noch fragen, ob er möglicherweise einmal einen Workshop in Berlin geben wird – bisher leider nicht in Sicht. Wie schade!

Der dritte Kurs des letzten Tages ging dann wieder besser. Der Muskelkater war wirklich übel und auch meine Konzentration ließ langsam sehr zu wünschen übrig, aber selbst die Variationen am Ende klappten einigermaßen. Wohl hauptsächlich deshalb, weil wir diese seit drei Tagen mit nur wenigen Abwandlungen am Ende des Kurses tanzten. Ich spürte dabei meinen Ballettrock flattern und fühlte mich wieder besser. Das Hochgefühl vom Beginn des Tages stellte sich aber nicht mehr ein.

Das war’s

Ich habe ein paar sehr nette Hobbytänzer und -tänzerinnen kennengelernt und habe auch einen wunderbaren Kontakt zu den Veranstaltern von Gina Workshops herstellen können. Dennoch war ich froh, dass es vorbei war. Ich hatte wirklich Spaß und habe eine Menge Wissen mit nach Hause nehmen können, von etwas mehr Kraft und einer besseren Flexibilität mal abgesehen, aber ich hatte wirklich bösen Muskelkater und mein ganzer Körper tat weh. Ich hatte Probleme, meine Konzentration zu halten und war müde.

Möglicherweise war es dumm, den Workshop über drei Tage zu buchen, denn an Tag 2 setzte der Muskelkater zwar ein, war aber noch nicht so schlimm, und nach Tag 3 ließ er wieder nach. Nun an Tag 2 aufzuhören, war also mit einer Erlösung vergleichbar. Bitte nicht falsch verstehen: ich fuhr mit dem sehr guten Gefühl nach Hause, viel erreicht und gelernt zu haben. Ich brauchte auch nur einen vollen Tag zu Hause, um wieder fit und voller Motivation zu sein, mein errungenes Wissen und Können gleich wieder im Ballettunterricht anzuwenden.

Was hat es mir gebracht?

  • Ich komme bei den Variationen besser hinterher, allein schon, weil die ganzen Begrifflichkeiten tiefer in meine Hirnwindungen gesickert sind und ich die Bewegungen mehr verinnerlicht habe.
  • Ich bin gelenkiger und sicher auch kräftiger geworden.
  • Meine Zerrungen im inneren rechten Oberschenkel ist viel besser; ich merke sie zwar noch, aber sie schmerzt beim Stretching nicht mehr so arg.
  • Ich bin selbstbewusster geworden – durch die Dozentenwechsel und die vielen fremden Ballettschüler um mich herum (am Ende sitzen wir ja doch alle im gleichen Boot).
  • Ich gehe mit weit mehr Disziplin in den Unterricht – allein das beeinflusste meine Entscheidung, die Ballettschule zu wechseln, doch sehr stark (siehe „Die Wochen nach den Ferien“).

Würde ich es wieder tun?

Ja! Definitiv! Mit dem gleichen Pensum – nur entweder einen Tag kürzer oder länger, um dem Muskelkater ein Schnippchen zu schlagen. Und vielleicht werde ich im nächsten Sommer (oder auch vorher) nicht wieder nach Hamburg fahren, sondern auch einmal andere Intensives ausprobieren. Nicht, weil es mir nicht gefallen hat, sondern um gänzlich neue Erfahrungen zu sammeln – neue Umgebung, neue Dozenten, neue Kurse. Aber das hat Zeit, erstmal geht es zurück in den Alltag.

Mehr Impressionen

… findet ihr auf dem Youtube-Kanal von Gina Workshops, auf Instagram sowie auf der Website der Sommertanztage.

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