Ausrüstung

Alles auf Anfang

In den letzten paar Wochen wurde ich immer unzufriedener mit meinen Spitzenschuhen (Bloch Balance European XXX). Damit verbunden hatte ich auch das Gefühl, überhaupt keine Fortschritte zu machen. Ich kam rein aus Muskelkraft nur mit Ach und Krach auf Spitze und verlor dabei auch noch meine Auswärtsdrehung in den Beinen.

Lag es wirklich nur an mir und meiner vielleicht doch noch mangelnden Kraft? Ich zweifelte mal wieder daran, ob ich nicht zu früh auf Spitze geschickt wurde. Also schnappte ich mir am Freitag meine Spitzenschuhe und suchte meinen Lieblingsballettladen auf: Hacke & Spitze in Kreuzberg. Ich wusste, dass dort Damen arbeiten, die selbst Spitzentanzerfahrung haben. Vielleicht konnte mir ja jemand von ihnen helfen oder mir einen Rat geben.

Die Chefin selbst nahm sich spontan viel Zeit und schaute sich meine Schuhe bzw. mich in meinen Schuhen mal genauer an. Sie fragte mich sofort, wer mir die Schuhe gegeben hatte, denn sie passten so gar nicht zu mir. Den Eindruck hatte ich bei meinem ersten Fitting überhaupt nicht, aber seien wir mal ehrlich: als absoluter Spitzen-Neuling hatte ich auch null Ahnung. Ich hatte aber schon bemerkt, dass die Schuhe mir nach einiger Zeit so einige Probleme bereiteten:

  • Wie gesagt, kam ich ohne Schwung kaum auf die Spitze.
  • Die Sohle meines rechtes Schuhe flutschte mir jedes Mal, wenn ich auf Spitze stand, am Hacken weg nach außen, sodass der Schuhe schief saß und mir keinen wirklichen Halt bot.
  • Ich fand die Sohle nach nur drei Monaten nicht allzu intensiver Nutzung (pro Woche maximal 15 Minuten Spitzentraining) schon sehr weich. Auch hier hatte ich das Gefühl, mehr Unterstützung zu brauchen.
  • Auch die Box kam mir bereits recht weit vor. Klar ich hatte auch von vornherein die größtmögliche Breite gewählt, da mein Ballen nunmal recht breit ist, aber dass sich nach so kurzer Zeit die Box bereits so extrem geweitet hatte, fand ich ungewöhnlich. Ich dachte, dass Spitzenschuhe zumindest ein wenig langlebiger seien.

Beim letzten Punkt stimmte mir die Beraterin zu: bei meinem Pensum sollten Spitzenschuhe in der Regel sechs bis neun Monate halten. Auch in Hinblick auf die weiche Sohle, die schon ausgeleierte Box und die verrutschte Sohle stimmte sie mir zu. Sie war der Meinung, dass die Schuhe eine viel zu kurze Box für meine Füße hätten. Auch meinem Wunsch nach einer härteren und dadurch vielleicht langlebigeren Sohle wollte sie entsprechend passende Schuhe finden.

Also begannen wir zu probieren. Und wir probierten und probierten. Unterschiedliche Größen, Weiten, Marken und Modelle.

Anprobe bei Hacke & Spitze.
So sah es nach etwa 15 Minuten aus. Und es wurden noch mehr Paare!

Relativ schnell kamen wir zum Rubin-Modell von RClass (auch Russian Class bzw. in den USA als Russian Pointe vertrieben). Der Schuh saß wesentlich enger als meine Blochs, aber nicht so eng, dass meine Zehen zusammengedrückt wurden. Die Box war länger und die Sohle härter, sodass ich mehr Unterstützung und Halt bekam, aber nicht super hart, sodass ich eine Chance hatte, auf die Plattform zu kommen. Die Sohle rechts rutschte nur noch ein klein wenig zur Seite, aber sie gab mir den Hinweis, schon beim Anziehen des Schuhs darauf zu achten, dass die Sohle perfekt gerade liegt. Außerdem könnte ich die Elastics ein wenig schräg annähen, damit die Sohle an der richtigen Stelle besser gehalten wurde.

Trotzdem der Schuh schon ganz gut saß, probierten wir weiter. Allerdings kam nicht wirklich etwas anderes als die RClass in Frage. Grishkos waren sehr schnell raus: durch die recht spitz zulaufende Box kam ich kaum in den Schuh. Merlet, Wear Moi und Sansha waren auch nicht das Richtige, entweder zu einengend, so dass ich mich regelrecht in den Schuh quetschen musste, oder zu kurze Box. Oder die Sohle am rechten Fuß rutschte wieder zur Seite. Irgendwas war immer.

Soooo viele schöne Schuhe. Davon war leider keiner der Richtige für mich.

Ich zog noch einmal die RClass-Schuhe an und im direkten Vergleich meine Blochs. Letztere fühlten sich plötzlich so bequem und luftig an wie Plüschpantoffeln. So sollte es ja nun nicht sein! Also war das Modell gefunden. Nun kam noch einmal die Frage nach der richtigen Größe auf: mein rechter Fuß ist mindestens eine halbe Nummer kleiner als mein linker – dadurch ergab sich möglicherweise auch ursprünglich das Sohlenproblem. Links eine 38, rechts eine 37,5 war perfekt. Aber zwei Paar kaufen kam für mich leider rein geldtechnisch nicht in Frage. Auch hier hatte die Beraterin einen prima Tipp: dünne Spülschwämme! Zurechtschneiden und vorne in den zu großen Schuh legen; eine Schicht könnte schon reichen und ist damit auch nicht zu viel, um das Gefühl zum Boden zu verlieren.

Zu guter Letzt kamen wir noch auf meine Zehenschoner zu sprechen. Bisher war ich mit den Cozy Toes sehr zufrieden, allerdings sind diese rundum gepolstert, nicht nur ganz vorne an den Zehen. Sie gab mir zur Anprobe dünnere Pads von Rumpf und siehe da: die Rubin passten wie angegossen. Ohne quetschen kam ich in die Schuhe und sie saßen trotzdem noch sehr eng, um mir guten Halt zu bieten.

Hallelujah! Schuhe gefunden, passende Pads ebenfalls. Ribbons gab es on top dazu und auch Elastics gab sie mir gratis mit (war noch ein Rest, der wohl übrig war, reichte aber von der Länge). Bei diesen empfahl sie mir auch etwas straffere als die, die ich bisher verwendet hatte, da diese die Schuhe mehr an meinen Fuß pressen würden (gerade mit der verrutschenden Sohle sehr sinnvoll).

Die Auserwählten: RClass Rubin

Ich bin Daniela – so heißt die gute Frau von Hacke & Spitze – sehr dankbar, dass sie mir so sehr geholfen hat und sich so viel Zeit nahm (fast anderthalb Stunden). Ich weiß, das sollte Gang und Gäbe sein, ist es aber leider nicht, wie ich selbst schon feststellen musste.

Zu Hause nähte ich Ribbons und Elastics an, wie sie es mir empfohlen hatte. Dann testete ich die Schuhe an meiner Stange zu Hause und und drückte mich rein mit Muskelkraft hoch auf die Spitze. Und – Zauberei! – ich brauchte die Stange nur noch zum Balance halten. Die längere Box sorgte für genügend Unterstützung, so dass ich sogar sehr leicht hochkam. Füße strecken und – schwupps – oben. Geht doch! Es lag also doch nicht an mir, sondern schlichtweg an den (für mich) falschen Schuhen. Natürlich muss ich nun noch daran arbeiten, meine Auswärtsdrehung nicht zu verlieren, aber das steht auf einem anderen Blatt.

Ich bin so froh, dass ich jetzt noch einmal quasi neu in das Spitzentraining starten kann. Mit neuen Schuhen und einem „Spitzen“gefühl.

Freitag war ja auch gleich wieder Ballettunterricht angesagt, leider ohne Spitzentraining. Dabei bin ich so gespannt, wie ich mich mit meinen RClass Rubin schlage. Ich kann es kaum erwarten, Montag im Ballettsaal aufzukreuzen und den Satz „Rein in die Spitzenschuhe!“ zu hören.

DANKE! an Hacke & Spitze und an Daniela im Speziellen für die tolle Beratung!

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